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Umzugsfirma nutzt Zwangslage aus, um kräftig abzukassieren

Es ist immer wieder dieselbe Masche. Spezielle Umzugsfirmen bieten einen Umzug zunächst zu sehr günstigen Konditionen an. Wenn dann die Möbel bereits größtenteils im Lkw verstaut sind, wird plötzlich ein weiterer Lkw samt zusätzlichem Personal benötigt. Die Kosten steigen um ein Vielfaches an. Wer sich weigert zu bezahlen, dem droht man.
So erging es auch einer jungen Frau. Sie holte zunächst ein schriftliches Angebot der Firma ein und vereinbarte zu den angegebenen Konditionen den Umzug in die etwa 90 Kilometer entfernte neue Wohnung.
Unsicher, ob tatsächlich alle ihre Möbel in einem Lkw Platz haben würden, rief sie vor dem Umzug sogar noch einmal bei der Firma an. Dort bestätigte ihr eine Mitarbeiterin, dass selbst deutlich größere Wohnungen in einem Lkw von zwei Männern verstaut würden. In ihrem Fall sei das also kein Problem.

Vielfach höhere Pauschale in bar verlangt
Umso größer war dann der Schock, als am Umzugstag die Möbelpacker mit einer Stunde Verspätung erst am späten Nachmittag eintrafen und ankündigten, dass sich das keinesfalls in einem Lkw ausgehen wird. Ein weiteres Fahrzeug und weitere zwei Männer müssten her. Man bot der Kundin dies zu einem pauschalen Preis von € 2.300,– an. Da ihre Möbel bereits teilweise im ersten Lkw verladen waren und sie für den Umzug auch nur diesen einen Urlaubstag zur Verfügung hatte, stimmte sie schließlich zu € 1.700,– zu bezahlen. Dies war immer noch über das Vierfache des ursprünglichen Angebots und wurde sofort in bar einkassiert.

Seitens der Firma erwiderte man die eingereichte Klage zunächst damit, dass die Kundin selbst die zusätzlichen Leistungen verlangt habe und auch Teile ihrer Einrichtung entrümpelt haben wollte. Beide Behauptungen waren gänzlich falsch.

Um ein kostenintensives Verfahren zu verhindern, einigte man sich schließlich vor Gericht auf jenen Betrag, den die Klägerin laut ursprünglichem Angebot für zwei Lkws und vier Männer bezahlt hätte. Den Rest des von ihr bereits bar bezahlten Betrages erstattete ihr die Umzugsfirma zurück.

UNSERE TIPPS VOM RECHTSANWALT:
Wie Sie sich richtig verhalten, wenn ein Geschäftspartner Ihre Zwangslage ausnützt.

 

Was kann ich tun, wenn ich ein Vielfaches des üblichen Preises für eine Ware oder eine Dienstleistung bezahlt habe?

Gesetzlich kann man dann eine sogenannte „Verkürzung über die Hälfte“ geltend machen. Das bedeutet, dass der Verkäufer nicht mehr als das Doppelte des objektiven Wertes verlangen darf. Ein Gutachten kann das dann beweisen. Jedoch hat der Verkäufer das Recht den überbezahlten Betrag zurück zu zahlen und muss nicht zwangsläufig den verkauften Gegenstand zurücknehmen.

Habe ich Chancen mein Geld zurück zu bekommen, wenn der Verkäufer meine Zwangslage ausgenutzt hat?

Das Gesetz schützt Personen, wenn ein deutliches Ungleichgewicht herrscht. Etwa dann, wenn ein Verkäufer die Unerfahrenheit, den Leichtsinn, die Gemütsaufregung oder Verstandesschwäche seines Gegenübers ausnutzt. Besteht außerdem ein deutliches Missverhältnis zwischen dem tatsächlichen Wert und dem bezahlten Betrag, liegt Wucher vor. Dieser gilt als eindeutig sittenwidrig. Der so geschlossene Vertrag ist dann nichtig und eine Rückabwicklung möglich. Der Käufer bekommt also sein Geld, der Verkäufer den verkauften Gegenstand zurück. Die in der Zwischenzeit erfolgte Abnutzung wird allerdings berücksichtigt. Die Rückabwicklung einer Dienstleistung gestaltet sich natürlich schwierig, hier ist dann jedoch nur der angemessene Preis fällig.

Wie verhalte ich mich richtig, wenn mein Gegenüber versucht meine Zwangslage auszunützen?

Am besten ist es natürlich vorab nichts zu bezahlen, da man in der besseren Situation ist geklagt zu werden als klagen zu müssen. Denn grundsätzlich muss der Kläger seinen Standpunkt beweisen. Wie der Fall oben zeigt, hat man das allerdings nicht immer selbst in der Hand. Wer in die Situation kommt und Bargeld übergeben muss, sollte sich zumindest unbedingt eine schriftliche Bestätigung ausstellen lassen.
Verweigert man Ihnen etwa die Herausgabe der Möbel, ist es ratsam die Polizei zur Hilfe zu holen.

Diese Auskünfte sind allgemein und unverbindlich. Viele zusätzliche Details können im Einzelfall zu einer anderen Antwort führen. Sollten Sie Informationen zu einem konkret vorliegenden Fall wünschen, beraten wir Sie gerne ausführlich in unserer Kanzlei.

Haben Sie konkrete Fragen? Dann vereinbaren Sie gleich ONLINE einen Besprechungstermin in unserer Kanzlei.

 

Bildnachweis: Pixabay, CC0