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Witwe erhält Schadenersatz für weggefallene Hausarbeit des Mannes

Durch eine Fehlbehandlung im Krankenhaus verstarb der Ehemann der Klägerin im vorliegenden Fall. Das schuldige Krankenhaus muss der Witwe nun Schadenersatz auch für die entgangene Hausarbeit des Mannes leisten. Der Oberste Gerichtshof (OGH) hielt in seiner kürzlich ergangenen Entscheidung einmal mehr fest, dass Hinterbliebene grundsätzlich Anspruch auf den Ersatz aller Leistungen haben, die der oder die Getötete tatsächlich im Rahmen des Unterhalts und eines üblichen Familienlebens erbracht hat.

Im vorliegenden Fall, hat der damals bereits pensionierte Ehemann bis zuletzt alle Einkäufe erledigt, für beide gekocht, teilweise den Wohnungsputz übernommen und sich um kleinere Reparaturen gekümmert. Umgerechnet kam man daher auf täglich etwa eineinhalb Arbeitsstunden, die der Ehemann ausschließlich für die Ehefrau und nicht für sich selbst geleistet hat.

Dass die Ehefrau sich nun bei einzelnen Hausarbeiten Zeit ersparen soll, weil sie etwa nur noch für sich selbst wäscht und bügelt, ließ der OGH nicht als Argument gelten. Warum dies ihren Schaden mindern soll, sei nicht nachvollziehbar und würde nur den Schädiger entlasten. Das Höchstgericht bestätigte daher die Entscheidung der Vorinstanzen.

Was fällt alles unter den Schadenersatz?

Der Schädiger hat grundsätzlich alle Aufwendungen zu ersetzen, die der Getötete auch tatsächlich für den Hinterbliebenen erbracht hat. Hat etwa ein Ehepartner ausschließlich für das Familieneinkommen gesorgt, so hat der andere Partner nach dessen Tod das Recht auf Ersatz dieses monatlichen Betrages vom Schädiger.

Wird hingegen jener Partner getötet, der sich um die Kinder, den Haushalt und den Hund gekümmert hat, so sind diese Leistungen so zu bemessen, als ob man künftig jemanden anstellen muss, der die Kinder betreut, den Haushalt führt und für den Hund sorgt. Die Höhe dieser Kosten sind dann der adäquate Schadenersatz für die entgangene Hausarbeit.

Wie lange erhält man Schadenersatz?

Bei einem derartigen Schadenersatz handelt es sich um einen laufenden Unterhalt, der den Verlust des getöteten Partners finanziell ausgleichen soll. Er steht daher so lange zu, solange ihn auch der getötete Partner geleistet hätte. Oft kommt es jedoch auch vor, dass Versicherungen eine einmalige Ausgleichszahlung statt eines regelmäßigen Unterhalts als Vergleichsbetrag anbieten.

Die gesamte Entscheidung 3Ob26/21a

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